DeutschEnglishFrançais
Vision Themenvertiefung Schulung Eins�tze Kontakt Spenden

Was bedeutet Unterordnung für mich als Frau?

als pdf zum Herunterladen (153 KB)

Regula Rebiai, August 1998

Als gläubige und selbstbewusste junge Lehrerin hatte ich mir wenig Gedanken zu Ehe, Mannsein und Frausein gemacht. Nach jahrelanger Ausbildung liebte ich die neu gewonnene Unabhängigkeit, mein eigenes Königreich in der Schule und die Gelegenheit, meine Hobbies mit dem Beruf zu verbinden. Ich bin kein natürlicher Asket und führe (auch heute noch) gerne ein angenehmes und abwechslungsreiches Leben. So war ich entschlossen, meine Zeit und Begabungen zwar nützlich einzusetzen, aber doch ganz so, wie es mir gefiel.


Brauche ich ein Haupt?!

In dieser Zeit begannen Marcel und ich unsere Freundschaft, nach längerem Zögern meinerseits. Damit begann für mich eine Auseinandersetzung mit Themen, denen ich bisher keine grosse Bedeutung beigemessen hatte: Frau oder Mann war man doch einfach& Kam ich früher im Lesen der Bibel an Stellen wie diese im Epheserbrief Kapitel 5, so überging ich diese problematischen Aussagen geflissentlich. Jetzt betrafen mich diese plötzlich ganz persönlich, und natürlich stiess ich mich, wie so viele andere Frauen, am hier dargelegten Prinzip der Unterordnung und dem Gedanken, dass ich ein Haupt nötig hätte. Ich fühlte mich zurückversetzt, entmündigt und fand es ungerecht, demütigend und ausserdem einfach nicht mehr zeitgemäss!
In unserem Umfeld waren nur wenige Ehen, die wir uns zum Vorbild hätten nehmen können, und noch weniger Ehepaare, die bereit gewesen wären, ihr Leben als Ehepaar für uns zu formulieren, zu reflektieren und uns hinter die Kulissen blicken zu lassen. In der Gemeinde waren Ehe und Familie selten ein Thema. So begannen wir uns im Blick auf eine Ehe selber mit Gottes Ordnungen und unseren mitgebrachten Vorstellungen von Ehe auseinanderzusetzen. In vielen Gesprächen und Auseinandersetzungen versuchten wir, den Kerngedanken Gottes begreifen, um ihn dann in unser Leben umzusetzen.


Frauen auf dem zweiten Platz?!

Auch mir als Frau war es ein tiefes Bedürfnis, eine Ehe nach den Gedanken Gottes zu leben, auch wenn mir seine Gedanken unbegreiflich und fern waren. Ich verstand einfach nicht, warum Gott, den ich sonst auch in meinem Leben als gerechten Gott kennengelernt hatte, eine so ungerechte Ordnung einsetzen konnte, wo die Frau die Untergebene des Mannes sein sollte! Warum war Gott nicht an Partnerschaft interessiert, an Gleichberechtigung und Ebenbürtigkeit?! Warum hatte er den Frauen einfach den zweiten Platz gegeben?! Ich versuchte Gottes Gedanken auf alle möglichen Weisen zu erklären, sein Wort zu relativieren, zu interpretieren und ihn zu entschuldigen. Aber da stand unverrückbar dieses Wort: "Doch wie die Kirche sich Christus unterordnet, so auch die Frauen den Männern in allem." "In allem", das auch noch!


Meint Gott es gut mit mir?

Die Frage nach Gottes Ordnungen in der Ehe wurden für mich zu einer ganz persönlichen Auseinandersetzung mit Gott. Für mich stellte sich die grundsätzliche Frage, ob ich Gottes Wort in allem glauben und vertrauen - oder mich doch eher an dem ausrichten wollte, was in der heutigen Zeit an Werten gemeinhin gültig war. Und wenn ich seinem Wort glauben wollte, konnte ich ihm dann auch vertrauen, dass er es gut mit mir meinte, auch mit mir als Frau, selbst wenn ich ihn in diesem entscheidenden Punkt im Moment nicht verstand?
In diese Fragen schlich sich bei mir eine weitere, grundsätzliche Frage in der Beziehung zu Gott ein: Wenn ich mich an ihn wandte, dann immer an Gott Vater oder an Jesus, auch einen Mann. Gab es für mich als Frau denn keine Orientierungs- oder Identifikationsfigur, an die ich mich als Frau wenden konnte? Richtete sich Gott in erster Linie an die Männer?


Meine Vorstellung von Männern

In all meinen Fragen an Gott und in der Auseinandersetzung mit meinem zukünftigen Ehemann wurde mir des weiteren immer mehr bewusst, aufgrund welcher Vorstellung von den Männern ich auch das Thema der Ordnung Gottes für das Zusammenleben von Mann und Frau anging. In der Tiefe war ich davon überzeugt, dass Männer eigennützig, egoistisch und viel zu sehr mit sich selber beschäftigt sind, als dass sie sich wirklich um die Anliegen einer Frau kümmern würden. Jedes Entgegenkommen eines Mannes, und mochte das auch nur eine Höflichkeit sein, beargwöhnte ich als einen weiteren Versuch, mich zu kaufen. Ich kam darum auch nie auf den Gedanken, den Vergleich "wie Christus das Haupt der Kirche ist" wirklich auf Männer anzuwenden. Das schien mir unwirklich und weit gefehlt.
Auch im Gespräch mit Marcel war ich nicht ohne weiteres bereit, alle meine Karten offen auf den Tisch zu legen. Ich war innerlich oft auf der Lauer, bereit, meine Rechte, mein Territorium zu verteidigen. Es brauchte mich viel Überwindung und eine grosse Portion Vertrauen, mich Marcel gegenüber ganz offen zu formulieren. In der Beziehung zu ihm, im Erleben von ihm als Mann in der Beziehung zu mir wuchs in mir mit der Zeit ein neues Männerbild. Ich erlebte, wie Marcel sich auch dann zu mir stellte, wenn es anstrengend wurde für ihn. Ich erlebte beispielsweise, dass er bei Meinungsverschiedenheiten nicht missbilligend reagierte, mich mit vielem Nachfragen tatsächlich zu verstehen suchte und sich nicht von mir distanzierte.


Entscheidung zum Vertrauen

So konnte ich denn auch mit ganzem Herzen einwilligen, als wir miteinander abmachten, in unserer Beziehung zueinander ganz wahr zu sein, einander nichts vorzumachen und sich dem anderen nicht zu entziehen. Das war mit dieser edlen Entscheidung natürlich nicht getan. Immer wieder mussten wir uns an dieses Versprechen erinnern und Schritte auf den anderen zu machen. Diese Abmachung erleichterte aber alle weiteren Gespräche enorm.
Im Eheversprechen formulierten wir diesen Punkt des gegenseitigen Vertrauens deshalb auch ausdrücklich. Auch wenn wir Gottes Gedanken zur Ehe noch nicht im Zusammenhang verstanden hatten (das war jedenfalls mein Empfinden), so waren wir dennoch entschlossen, das, was uns klar geworden war, einfach einmal umzusetzen, auch wenn es noch nicht dies Ganze sein konnte. Für mich war das Ausdruck von meinem Vertrauen Gott und Respekt seinem Wort gegenüber, hatte ich unterdessen doch begriffen: Mit Unterordnung kann Gott niemals Unterwerfung oder Unterdrückung gemeint haben! Und auch wenn ich nicht alles verstehen sollte, wollte ich an der Richtigkeit und Gültigkeit seines Wortes, über alle Zeiten und Kulturen hinweg, festhalten. Für mich war dieser erste Schritt auch ein bewusster Verzicht auf meine eigenen Ideen und Vorstellungen von meinem Leben, weg von aller Selbstverwirklichung, ein Schritt der Hingabe an Gott.
An dieser Entscheidung festzuhalten fiel mir nicht immer leicht, bewegte ich mich doch in einer Gesellschaft, die gerade in diesem Punkt des Verhältnisses zwischen Mann und Frau unentschlossen bis ausdrücklich anderer Meinung ist als Gott. Ich musste mir selber eingestehen: Ich bin nicht mehr zeitgemäss. Aber das konnte nicht mein Massstab sein.


Gott ist mein persönlicher Anwalt

Ich legte das Eheversprechen ganz bewusst vor Gott ab, im Wissen, dass nur er als der Erfinder der Ehe ein lebenslängliches Bestehen dieses Bundes garantieren kann. Er ist der Anwalt unserer Ehe und ganz besonders auch mein Anwalt als Frau. Ich wusste, dass es ihm nicht gleichgültig war, wie Marcel mit mir umging, ich mich umgekehrt aber auch vor Gott verantworten musste, wie ich zu Marcel stand. Dieses Bewusstsein, einen Anwalt zu haben und nicht den Launen eines Mannes ausgeliefert zu sein, half mir vor allem in Momenten der Uneinigkeit.


Vertrauen ermöglicht Erkennen

In mir blieb die Frage nach Gottes Absichten mit seinen Anordnungen. Ich trug diese Frage mit mir in meinem Herzen, dachte oft darüber nach, las in Gottes Wert und wartete auf Antwort von Gott. Darüber hinaus versuchten Marcel und ich in vielen Gesprächen, uns einander verständlich zu machen, uns zu erkennen zu geben, uns auch ungeschützt mitzuteilen, uns dem anderen auszusetzen. So konnte ein tiefes Verständnis voneinander und Vertrauen zueinander heranwachsen. (Und noch immer sind wir drangeblieben: in unseren alltäglichen, kurzen Gesprächen und vor allem an unserem wöchentlichen Eheabend, den wir ganz dem persönlichen Austausch widmen.) Diese Offenheit forderte und fordert von uns viel Mut, Disziplin und Hingabe aneinander. Es ist mitunter nicht so einfach, die Gedanken und Gefühle auszusprechen, die mich bewegen. Aber für den Aufbau einer Ehe ist es von existentieller Notwendigkeit, dass ich mit der Wahrheit vor dem anderen ans Licht trete. Sonst hat er gar nicht die Möglichkeit, auf meine Mutmassungen zu reagieren, und es beginnt sich ein Zusammenleben zu entwickeln, das mit den Realitäten immer weniger zu tun hat. Man begegnet einander nur noch durch einen Schleier von Verdächtigungen, Annahmen (ich habe es mir doch gedacht.. .!) und Missverständnissen hindurch. Das haben wir auch erlebt: Es beginnt ganz klein und harmlos und wächst schnell wie ein Geschwür heran. Diese Offenheit ermöglichte mir, immer mehr zu erkennen, wer Marcel ist, als Mann, aber auch als Persönlichkeit.


Ist Gott ein Mann?

Im Gespräch mit Gott und mit dem wachsenden Verständnis für meinen Mann begann ich wesentliche Punkte immer deutlicher zu begreifen, die mein ganzes Konzept von Ehe, Mannsein und Frausein, von Gottes Absichten mit jedem, grundsätzlich veränderten. Auf der Suche nach Antwort hatte ich viele Male den Schöpfungsbericht und den drauffolgenden Sündenfall gelesen.
"Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, nach dem Bilde Gottes schuf er ihn, als Mann und Frau schuf er sie." Gen. 1,27
Sowohl den Mann als auch die Frau schuf Gott nach seinem Bild. Gott kann also nicht nur männlich sein, wenn ich als Frau ebenfalls in seinem Bild geschaffen bin. Sein Wesen widerspiegelt sich nur zu einem Teil im Mann und nur zu einem Teil in der Frau. Nur als Mann und Frau ergeben die Menschen ein einigermassen komplettes Bild von Gottes Wesen. Er muss also sowohl männlich als auch weiblich sein.
Ich begann in der Schrift nachzuforschen, wo ich Aussagen über Gottes weibliche Züge finden würde. Auch wenn ich sie da und dort fand, machte ich erst Jahre später die Entdeckung, dass in der Person des Heiligen Geistes die weibliche Seite Gottes in ihrer Fülle dargestellt ist.


Braucht Adam einen Freund?

"Da gab der Mensch allem Vieh und den Vögeln des Himmels und allem Wild des Feldes Namen. Aber für einen Menschen fand er nicht die Hilfe, die ihm entsprochen hätte." Gen. 2,20.
Gottes Antwort auf die Feststellung des ersten Menschen, dass ihm etwas fehlt, dass er durch die Tiere keine wirkliche Hilfe erfährt, war nicht die Erschaffung eines weiteren Mannes. Adam fehlte offenbar nicht einfach ein Freund; er brauchte echte Ergänzung. Diese gab ihm Gott mit einer Frau, dem zweiten Teil seines Wesens.
Ich verstand daraus, dass Gott die Frau ausdrücklich anders geschaffen hat als den Mann, sonst wäre sie keine Ergänzung; und dass ich als Frau genauso Gottes Wesen in mir trage und widerspiegle, wie der Mann. Die Frau ist also keineswegs eine zweitrangige Kreatur; sie ist genauso im Bilde Gottes geschaffen wie der Mann. Das stellte mein Selbstverständnis als Frau auf ein neues Fundament.


Der Fluch der Unterdrückung

"Zum Weibe aber sprach er: 'Überaus zahlreich werde ich die Beschwerden deiner Schwangerschaft machen. Unter Schmerzen sollst du Kinder gebären. Nach deinem Mann wird dein Verlangen sein, er aber wird über dich herrschen.'" Gen. 3,16.
Als Konsequenz des Ungehorsams legte Gott auf die Frau tatsächlich den Fluch der Unterdrückung durch den Mann. Und wenn ich mich in der Welt umsah, musste ich sagen: Die Auswirkungen des Sündenfalls sind je länger je stärker. Die Schwangerschaft ist mühsam, die Geburt schmerzhaft; und die Frauen werden weltweit von den Männern unterdrückt, ausgenutzt und gedemütigt. All dies lässt sich mit keiner Emanzipationsbewegung wegradieren. Frauen leiden weiterhin unter dieser Knechtschaft, überall dort, wo das Reich Gottes noch nicht angebrochen ist, in Beziehungen, Familien, in der Gesellschaft, am Arbeitsplatz, in verschiedenen Kulturen& Erst Jesus hat diese Erniedrigung der Frau wieder aufgehoben, ihr wieder den Wert als ebenbürtiges Geschöpf zurückgegeben. Aber ausserhalb des Reiches Gottes hat sich nichts verändert.


Gott wertschätzt die Frauen

Über diese Wiedergutmachung hinaus hat es mich tief berührt, wie Gott seinen Sohn, den Erlöser der Welt, ausdrücklich durch eine Frau in diese Welt kommen liess. Jesus hätte ja auch wie ein Engel erscheinen können! Aber noch bevor Gott den Fluch über der Frau ausgesprochen hatte, hatte Gott der Frau die Verheissung gegeben, dass durch sie jener kommen werde, der der Schlange den Kopf zertreten wird. Einige der Propheten haben diesen Gedanken wieder aufgenommen, und sogar der als frauenfeindlich verschrieene Paulus (was er gar nicht ist!) stellt im Brief an die Galater ausdrücklich fest:
"Als aber die Fülle der Zeit kam, entsandte Gott seinen Sohn, geboren aus einer Frau, dem Gesetz unterstellt."
Auch wenn dies in der Welt so ist, in seinem Reich sind die Frauen nicht am zweiten Platz. Eine Frau erfuhr als erste, worauf das Volk Israel schon Jahrhunderte gewartet hatte: Der Engel erschien Maria und kündete ihr die Geburt des Erlösers an. Jesus begegnete zuerst den Frauen als Auferstandener und gab sich ihnen zu erkennen. Das sind für mich nur Beispiele, die Gottes Wertschätzung und Zuneigung den Frauen gegenüber zum Ausdruck bringen.


Ungeheure Anforderungen an den Mann

Dieses neu gewonnene Selbstverständnis als wertgeschätzte Tochter Gottes machte mich frei, mir endlich auch einmal Gedanken zur Aufgabe des Mannes in der Ehe zu machen. Heute kann ich mir nicht erklären, warum ich immer an diesem ersten Punkt der Unterordnung stehengeblieben und nie zur ungeheuren Anforderung an den Mann weitergegangen bin, seine Frau zu lieben wie Christus die Gemeinde!
"Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Gemeinde geliebt und sich für sie hingegeben hat, um sie zu heiligen, indem er sie reinigte im Wasserbad durch das Wort. Er wollte sich selbst die Kirche herrlich zuführen, ohne Flecken oder Runzeln oder dergleichen, sondern heilig und makellos. So sind auch die Männer verpflichtet, ihre Frauen zu lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. Es hat ja noch nie einer sein eigenes Fleisch gehasst, sondern er hegt und pflegt es wie auch Christus die Gemeinde." Eph. 5,25-29.
Was für eine ungeheure Aufgabe! Was für ein Vergleich mit Christus! Welche Verantwortung, die der Mann vor Gott zu tragen hat! Er ist verantwortlich für das Wohlergehen, mehr noch: für die Entwicklung, das Wachstum und die Heiligung seiner Frau; und in seiner Hingabe an die Frau wird er mit Jesus verglichen. Als ich entdeckte, was das für einen Mann bedeuten muss, war ich dankbar, eine Frau zu sein und nicht mit dieser Verantwortung Gott gegenüberstehen zu müssen! Im Vergleich zu Gottes Anforderungen an einen Mann fand ich die Aufforderung zur Unterordnung geradezu einfach zu erfüllen!


Von Herzen unterordnen

"Wie Christus die Gemeinde", dieser Vergleich wurde mir zu einer grossen Hilfe, in meinem Herzen Marcel auch diesen Platz als dem Haupt über mir zu geben und mich ihm als meinem Haupt freiwillig und gerne zu unterstellen. Jesus ist ja ganz selbstverständlich das Haupt von uns als Gemeinde. Kein Gemeindeglied würde diesen Platz für sich beanspruchen wollen. Ganz selbstverständlich und gerne stellen wir uns unter seinen Schutz, fragen ihn um Rat, gehorchen ihm, bergen uns bei ihm - immer im vollen Vertrauen, dass er nur das Beste will, das erfüllte Leben für uns, für mich. Wenn ein Mann mich so liebte wie Jesus die Gemeinde, dann konnte Unterordnung nichts Schwieriges sein, nein, Unterordnung würde geradezu zu einem Bedürfnis werden.
Und wenn er mich nicht so liebt wie Jesus die Gemeinde? Auch dann ist der mir von Gott zugewiesene Platz als Frau jener, an dem ich Gottes Segen erfahren werde, denn leiden würde eine so unglückliche Frau so oder so.


Mein Leben verlieren

Ein Kampf um Platz und Rechte kam für mich an diesem Punkt zum Erliegen. So konnten wir nach den ersten vier Jahren Ehe dann auch formulieren, was wir uns eigentlich schon zu Beginn gewünscht haben: Wir wollten nicht als Rivalen in ständiger Konkurrenz zueinander stehen, sondern einander eine echte Hilfe werden im Heranwachsen zu dem Mann und zu der Frau, die sich Gott, unser Schöpfer, vorgestellt hat. Das war und ist eine grosse Herausforderung, weil man ganz von sich und seinen Vorstellungen wegschauen und sich Gottes Sicht für den anderen geben lassen muss. Es ist dieses Prinzip vom Weizenkorn, das seine Gültigkeit im Reich Gottes hat: Wer sein Leben bewahren will, der wird es verlieren, und wer es hingibt, wird es gewinnen und viel Frucht dazu.


Ich erfahre Schutz, Rat und Leben

In diesem Bewusstsein, dass der Platz und Auftrag eines Mannes ganz anders ist als der der Frau und ich nicht tauschen möchte, fiel es mir zunehmend leichter, mich meinem Mann unterzuordnen, eben "wie dem Herrn". Bei Jesus fiel es mir ja auch nicht schwer, ausser wenn ich eben ganz anderer Meinung war als er! Und dann? Dann konnte ich ja fragen, versuchen zu verstehen, meine Ansicht einbringen und letztlich vertrauen, dass auch mein Mann das Beste für mich will, dass er eben nicht "eigennützig, egoistisch und viel zu sehr mit sich selber beschäftigt ist, als dass er sich wirklich um meine Anliegen als Frau kümmern würde", sondern sein Leben für mich hingibt. Dort angelangt ist es nicht schwer, einmal auch einfach zu gehorchen. Nicht dass Marcel fehlerlos gewesen wäre; aber in vielen Momenten erlebte ich an ihm Jesus, begegnete Jesus mir in ihm. Ich erlebe an ihm, was die Gemeinde an Jesus erfährt: Schutz, Rat und erfülltes Leben.


Jesus begegnet mir in Marcel

Am dichtesten erlebte ich dies in der Zeit der Krankheit, wie ich das auch schon einmal geschrieben habe:

"Besonders geholfen hat mir Gott durch Marcel. Ich habe erlebt, wie Jesus mir in Marcel nahe gekommen ist, zu mir gesprochen, mich ermutigt und erinnert hat, immer und immer wieder.
In dieser Zeit der Schwachheit und grossen Spannung war es für mich befreiend und wohltuend, unter dem geistlichen Schutz Marcels zu stehen, von ihm abgedeckt zu sein. Alle meine Fragen und was ich an Angriffen und Zweifeln erlebte, konnte ich ihm sagen. Nie war es ihm zuviel, auch wenn ich immer wieder in dieselben Zweifel verfiel.
Ich konnte mich ihm ganz anvertrauen und brauchte meine Schwäche und Blösse nicht zuzudecken. Wenn ich die Sicht verlor, entmutigt war, so half er mir meine Gedanken zu ordnen, mich wieder Gott zuzuwenden.
Ganz fest ermutigt hat mich auch Marcels unerschütterliches Ja zu mir. Alles, was ich ihm zu bieten gehabt hatte, war nun ja von mir abgefallen. Ich war nichts mehr, weder als Ehefrau noch als Mutter unserer Kinder. Ich war keine Gehilfin mehr, nur noch eine zusätzliche Belastung. Dennoch ist Marcels Liebe zu mir unverändert geblieben, ja sogar noch tiefer sichtbar geworden. Immer wieder erlebte ich: Er liebt mich, und nicht all das, was ich ihm vorher an Last und Arbeit abgenommen hatte oder was ich ihm sonst zu bieten hätte. Er liess mich seine ungeteilte Liebe nicht nur spüren, sondern sagte mir dies auch immer wieder zu. Die Stärke der Liebe, die nicht einfach auf Gefühle baut, wurde für mich existentiell greifbar."

Ich weiss, das diese Qualitäten nicht einfach Marcels natürlicher Begabung entsprechen. Über seinem eigenen Ringen um das Wahrnehmen der ganzen Verantwortung als Mann und mit der Tatsache, von Gott zur Rechenschaft gezogen zu werden, hat Jesus mehr und mehr Gestalt angenommen - wie sonst könnte ein Mensch diese Anforderungen beantworten!


Gottes weibliche Wesenszüge

Gott hatte mir bis dahin auf viele Fragen geantwortet. Immer noch wunderte ich mich aber, warum Gottes weibliche Seite so wenig bekannt ist, war ich doch vom Schöpfungsbericht her überzeugt, das sie da sein musste. Und plötzlich entdeckte ich, wieder beim Lesen seines Wortes, Gottes weibliche Wesenszüge in der Person des Heiligen Geistes. Eindrücklich war für mich auch wieder, den Platz des Heiligen Geistes und den des Vaters ganz am Anfang der Schöpfung zu entdecken:
"Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Die Erde aber war wüst und leer. Finsternis lag über dem Abgrund, und der Geist Gottes schwebte über den Wassern." Gen. 1,1-2. Der Geist war einfach da, wartete, erwartete, war bereit. Das sind eindeutig weibliche Züge, wie die einer schwangeren Frau. Im Gegensatz zum Auftritt von Gott Vater: Er schuf Neues, teilte ein, gab Befehle. Allein sein Wort hatte enorme Auswirkungen!


Auftrag und Wesen des Heiligen Geistes

Die Person des Heiligen Geistes wird im Wort Gottes nur an wenigen Stellen direkt beschrieben. Am besten kennen wir die Auswirkungen des Heiligen Geistes, seine Gaben und die Früchte des Geistes. Er ist der Helfer, der Tröster, er erinnert, er kommt zu uns, er ist immer bei uns, er schafft Beziehung, Gemeinschaft usw. Aber seine Persönlichkeit ist ganz im Hintergrund und erst auf den zweiten Blick erkennbar. Im Gegensatz zu der des Vaters: Er ist offensichtlich der gewaltige, starke Gott, dessen Wort wie das Tosen von Wassern ist, der Herr der Heerscharen. Er hat die Pläne, gibt die Befehle und Anordnungen. Der Heilige Geist ist der Ausführende: Er kam bei der Schöpfung in uns Menschen, er kam über Maria, er ist ausgegossen in unsere Herzen, er bezeugt unserem Geist die Gotteskindschaft usw. Er kommt immer im Auftrag und Namen des Vaters, nie von sich aus, nie in seinem eigenen Namen. In Jesaja 63,10 leuchtet die Beziehung des Vaters zum Heiligen Geist auf:
"Sie (das Volk Gottes) aber empörten sich und betrübten den heiligen Geist. Da wandelte er (Gott) sich in einen Feind und kämpfte selbst gegen sie."
Der Vater gibt dem Heiligen Geist seinen persönlichen Schutz, kümmert sich persönlich (an anderen Stellen schickt er sonst oft seine Heerscharen und seine Engel aus) und mit grosser Vehemenz (er wandelte sich sogar in einen Feind!) um sein Wohlergehen. Offenbar ist der Heilige Geist leicht zu verletzen, empfindsam. Er braucht den Schutz des Vaters, sein Zugeneigtsein. Wenn der Heilige Geist verletzt wird, ist das für den Vater schlimmer, als wenn er selber beleidigt worden wäre.


Wie der heilige Geist, so die Frau

Das alles verdeutlichte mir, wie sich Gott die Beziehung zwischen Mann und Frau eigentlich vorgestellt hat: Der Mann soll die Pläne haben, Sicht für seine Ehefrau, Kinder, seine Arbeit, die Zukunft... Er gibt die Anordnungen. Mein Platz als Frau ist anders: Wie der Heilige Geist bin ich zunächst einmal einfach da, erhältlich, bereit. Wie er stehe ich unter einer Autorität (der Mann ist mein Haupt) und handle nicht in meinem eigenen Namen, denn was und wie ich etwas tue, dafür wird mein Mann von Gott zur Rechenschaft gezogen werden. Entscheidungen mit Tragweite muss er fällen, auch wenn sie mein Leben betreffen. Das bedingt, dass mein Mann sich mit meinen Anliegen auseinandersetzen und sich eine Meinung bilden muss. Wie der Heilige Geist bin ich ganz besonders auf Schutz, Liebe und Zuneigung angewiesen. Böses kann mich als Frau viel leichter treffen und zertreten als einen Mann.


Ehe und Dreieinigkeit

Es wurde für mich völlig klar: Die Ehe, von Gott erfunden und eingesetzt, widerspiegelt einfach die Ordnung, die in den Beziehungen der Dreieinigkeit auch ist. Diese gründen auf absolutem Vertrauen und Respekt, die der Vater, Jesus und der Heilige Geist einander entgegenbringen - wenn sich das in menschlichen Worten so ausdrücken lässt&
Mit meinem ganzen Sein konnte ich mich nun mit Freuden an den Platz begeben, den Gott mir zugedacht hat. Mit dem klaren Auftrag, als Frau meinem Mann so zugeordnet zu sein wie der Heilige Geist dem Vater, wollte ich mich bereithalten für alle möglichen Einsätze, die Pläne meines Mannes, dasein, trösten, ermutigen, helfen. Noch viel bewusster und aktiver als vorher begann ich auch, Marcels Schutz in Anspruch zu nehmen und seinen Rat zu suchen.


Freigesetzt zum Herrschen

Dieses ganze Ja zu meinem Platz als Frau setzte mich frei, meinen mir von Gott gegebenen Herrschaftsbereich ganz einzunehmen und mich zu jener Frau zu entwickeln, wie sie uns in Sprüche 31 beschrieben ist: eine zielgerichtete, weise Frau, die ihren Wirkungsbereich kennt und darin ihre Verantwortung ganz wahrnimmt. In ihrem ganzen Schaffen ist sie darauf ausgerichtet, ihren Mann und ihre Söhne freizusetzen für deren Aufgaben. Dafür gibt sie ihr Leben hin. Nichts was sie tut dient einfach der Selbstdarstellung und Selbstverwirklichung. Wie eine Königin führt sie ihr "Departement des Innern", teilt ein, gibt Aufträge, setzt Akzente, gibt Rat und vergrössert ihren Besitz. Ihr Herrschaftsbereich ist von aussen vielen verborgen, aber das kümmert sie nicht, denn: "Ihre Söhne treten auf und preisen sie glücklich, ihr Gatte erhebt sich und rühmt sie: 'Viele Töchter haben sich tüchtig erwiesen; du übertriffst sie alle!'" Spr. 31,28-29. Was für eine grössere Anerkennung kann eine Frau erhalten als diese!


Ich brauche ein Haupt

Heute muss ich zu Gottes Ordnungen sagen: Er hat es sehr gut gemacht! Er hat der Frau den Platz eingeräumt, zu dessen Erfüllung er sie auch geschaffen und ausgerüstet hat. Er verlangt nicht zuviel. Desgleichen beim Mann: Er hat ihn ausgerüstet, den Auftrag zu erfüllen, den er dem Mann gegeben hat (auch wenn heute viele Männer diese Verantwortung nicht wahrnehmen wollen).
Als Zeugnis von Gottes Segen kann ich sagen: Ich erfahre Respekt und Anerkennung von meinem Mann und meinen Kindern. Ich erfahre Schutz von Marcel, wenn die Kinder frech und ungehorsam werden zu mir. Und ich erfahre Rat und Zuwendung von Marcel in den vielen Dingen, die mich beschäftigen. Unter seinem Schutz ist mein Königreich gross und reich geworden.


Immer noch unterwegs

Wir haben uns immer wieder aufgemacht zueinander, um in unserer Beziehung wahr zu sein, einander nichts vorzumachen und sich dem anderen nicht zu entziehen. So durften wir in ein Gegenübersein und in eine Ergänzung hineinwachsen, wo wir vom Reichtum des anderen beschenkt werden. Unsere Ehe ist für uns zu einem Ort der Geborgenheit geworden. Wir können uns beieinander ganz fallenlassen. Das schafft auch unseren Kindern und nicht zuletzt auch unseren Mitarbeitern einen Raum der Geborgenheit. Die Ehe ist ja nicht nur ein Ort des persönlichen Glücks; sie soll vielmehr zu einem Ort werden, von dem aus Ströme lebendigen Wassers in diese Welt hinein fliessen.
Wir sind dankbar, dass wir auf Jahre zurückschauen dürfen, während denen der Reichtum unserer Beziehung stetig gewachsen ist. Es ist für uns immer wieder ein Wunder, wie Gott zwei so unterschiedliche Menschen zu einer Einheit zusammenzubringen vermag!


Gott antwortet!

Dies ist mein Weg und unser Weg mit Gott in diesen Fragen. Er hat mich geführt, ist mir begegnet in seinem Wort und in den unzähligen Gesprächen mit Marcel. Und er hat mir geantwortet. Ich möchte euch ermutigen, konkrete Fragen an Gott und euren Ehemann zu richten und in der Tiefe schlummernde Gefühle nicht einfach immer wieder zuzudecken. Gott wird euch antworten, denn es ist verheissen:
"Jeder, der bittet, empfängt, und wer sucht, findet, und wer anklopft, dem wird aufgetan werden." Mt. 7,8

©Stiftung Gemeinschaft der Versöhnung-GDV
Postfach 134
CH- 8411 Winterthur
+ (0)44 935 47 51

Komm & Sieh

Sommereinsatz
Provence - Marseille
vom 27. Juli bis 5. August 12:

Nähere Infos
Anmeldung: hier

Studienwoche 2012

 

Vom

7. bis 16. September 2012

führen wir eine Studienwoche in Jerusalem durch. Nähere Infos und einen KURZFILM finden Sie hier.

Die Studienwoche wird definitiv durchgeführt.

Anmeldeschluss:              30. Juni 2012

Zur Anmeldung

 

Vom

7. bis 16. September 2012

führen wir eine Studienwoche in Jerusalem durch. Nähere Infos und einen KURZFILM finden Sie hier.

Die Studienwoche wird definitiv durchgeführt.

Anmeldeschluss:              30. Juni 2012

Zur Anmeldung

© 2009 created by 2sic with DotNetNuke