Eine politische und geistliche Analyse
Marcel Rebiai, August 2007
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Der Islam in der Schweiz ist ein Thema, das in den letzten Monaten an Aktualität stark zugenommen hat, wie die Diskussion um die „Stopp Minarett“ Initiative aufzeigt. Als Christen sind wir gefragt, uns mit dieser Problematik auseinanderzusetzen, weil sie die Zukunft unseres Landes sowie den Auftrag der Gemeinde und den christlichen Glauben existentiell betreffen.
Es ist mir wichtig, mich im Zusammenhang mit der Minarett-Diskussion in der Schweiz mit ein paar Gedanken an unsere Freunde und Mitchristen zu wenden, um mein Anliegen in dieser Auseinandersetzung darzulegen.
In der Vergangenheit habe ich mich öfters gegen den Bau von Minaretten ausgesprochen. Trotz aller fundierten Begründung habe ich aber mehrere Male erfahren, dass ich in meinem Anliegen missverstanden wurde.
Ja, es ist wahr, dass ich mich für ein Verbot des Minarettbaus ausgesprochen habe. Und das nicht etwa, weil es mir um eine kulturelle oder architektonische Reinerhaltung der Schweiz geht, sondern aus geistlichen und politischen Gründen, von denen ich nach wie vor überzeugt bin. Meine Stellungnahme geschah aus dem Wissen heraus, wie zentral die Präsenz von Moscheen und Minaretten für das Bewusstsein, für die Sammlung und Ausbreitung des Islam und dessen Geisteshaltung und Kultur ist. Ich möchte nicht, dass sich der Islam in der Schweiz ausbreitet und erstarkt, weil ich als überzeugter Christ dies als verheerend für unser Land betrachte. Wenn nämlich der Islam erstarkt, wird er sein Gewicht prägend in die schweizerische Gesellschaft einbringen. Der Islam hat sehr klare und entschiedene Wertvorstellungen, die alle Lebensbereiche seiner Anhänger bestimmen. Von jedem gesetzgebenden politischen System, das unter islamischem Einfluss ist, wird erwartet, dass es Voraussetzungen schafft, damit diese Wertvorstellungen umgesetzt werden können.
Das Konfliktpotential des Islam
Bekanntlich ist der Islam nicht primär ein persönlicher, privater Glaube, sondern eine religiöse Identität, die sogar noch bestimmender ist als die ethnische Herkunft. Mögen sich Moslems in ihren Herkunftsländern bekämpfen wie zum Beispiel im Irak, so ist in einer nicht-islamischen Welt der Islam die gemeinsame Identität, die alle Moslems eint und gemeinsam für die Rechte des Islam aufstehen lässt. Der Islam gibt dem einzelnen Moslem von klein auf das Verständnis mit, dass er den Juden und Christen geistig und religiös überlegen ist und ihnen gegenüber eine Vorzugsstellung, ja einen Führungsanspruch hat, da er der einzig wahren Religion angehört. Deshalb ist es für die Moslems nicht einfach zu akzeptieren, sich auf die Dauer einer nicht-islamischen Gesellschaft und ihren Gesetzen zu beugen. Der Islam ist in seiner Wertvorstellung nicht nur absolut, sondern hat – wo der Forderung nach Umsetzung seiner Werte nicht stattgegeben wird – ein enormes Konfliktpotenzial, das sich immer irgendwann entladen wird.
Der islamische Anspruch wird durch Gewalt geltend gemacht, nicht nur in mehrheitlich nicht-islamischen Gesellschaften, sondern auch in liberal regierten islamischen Ländern wie Ägypten, Nordafrika oder Syrien. Dort sind die Folgen häufig die, dass die in der Regel diktatorische Regierung einem Ausbruch des Konflikts mit unerbittlicher Härte und Verfolgung der Islamisten begegnet, weil diese eine Bedrohung der bestehenden Regierungsform darstellen. Im Westen hingegen sind die Folgen anders. Hier werden nach dem ersten Erschrecken über Bedrohung und Terror Kompromisse gemacht, die dazu führen, dass der Islam seine Werte und Forderungen Schritt für Schritt umsetzen kann. Wenn die islamische Gemeinschaft in der Schweiz wächst (sie ist bereits jetzt die drittgrösste Glaubensgemeinschaft nach der reformierten und katholischen Kirche), wird sie ihre Stimme auch im Prägen von Gesetzen geltend machen.
Eine der wichtigsten religiösen Aufgaben der Christen, nämlich die der Evangelisation und Mission, könnte zu einem akuten Konfliktherd mit dem Islam werden. Es ist ein ausgesprochenes Gebot Jesu, das Evangelium allen Völkern zu verkünden, sie zu seinen Jüngern zu machen und zu lehren, was er befohlen hat (Matth. 28,18-20). Für den Islam ist es aber nicht nur eine Zumutung und Beleidigung, von Christen missioniert zu werden und zu hören, dass Jesus allein die Wahrheit und das Leben ist, sondern die islamisch-religiöse Gesetzgebung, die Scharia, fordert die Todesstrafe für vom Islam Abgefallene. Diejenigen, die zum Glaubenswechsel auffordern, werden als definierte Feinde des Islam und der islamischen Gemeinschaft betrachtet werden. Die Gemeinde Christi in der Schweiz und in Europa steht vor einer grossen Herausforderung: Einerseits soll sie die Moslems lieben und sie zu Jesus führen, weil er sie liebt und sein Leben für sie gegeben hat, andererseits bedeutet ihr Bekenntnis (nämlich dass in keinem anderen Namen als im Namen Jesu Heil und Errettung ist) eine klare Zurückweisung des Islam. Wenn wir bekennen, dass Jesus allein der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, so bezeugen wir damit, dass der Islam kein Weg zum Leben, sondern ein Irrweg ist; dass es im Islam keine Wahrheit über Gott und die Menschen gibt; dass der Islam nicht zum ewigen Leben führt, sondern den Menschen, die unter seinem Einfluss stehen, den Weg ins ewige Leben und ins Vaterhaus Gottes verbaut. Mit andern Worten: Wenn wir bekennen, dass das Evangelium die einzige Wahrheit ist, sagen wir damit – ob stillschweigend oder ausgesprochen –, dass der Islam eine Lüge ist. Wenn wir bekennen, dass Jesus der Sohn Gottes und der Erlöser der Welt ist, sagen wir, dass Mohammed ein falscher Prophet war. Wo das Evangelium verkündet wird, wird der Islam in seiner Existenz bedroht, was er sich auf die Länge nicht bieten lassen wird.
Es könnte also das Szenario entstehen, dass eine grössere islamische Minderheit sich von der christlichen Mission bedroht fühlt und gleichzeitig über die politischen Rechte verfügt, um den Staat aufzufordern, Proselytismus zu verbieten oder einzuschränken, um die öffentliche Ordnung und den Frieden zwischen den Religionsgemeinschaften zu gewährleisten. Dass man eines Tages in der Schweiz Moslems nicht mehr frei evangelisieren darf, ist eine grosse Möglichkeit. Darum lasst es uns tun, solange wir noch können!
Es geht um mehr als den Bau von Minaretten
Ich selber kämpfe nicht mehr gegen den Bau von Moscheen und Minaretten, weil ich nicht mehr glaube, dass wir deren Bau und die Ausbreitung des Islam in der Schweiz und in Europa auf politischem Wege aufhalten können. Die Gründe, warum in mir diese Überzeugung wächst, sind vielfältig: Soweit mir bekannt ist, gibt es zum Beispiel kaum ein machtvolles nationales Gebetsnetz der Gläubigen, welches das Erbarmen Gottes über die ganze Schweiz herabfleht, um das Eindringen des Islam zu verhindern. Natürlich wird gebetet, und es gibt auch viele Gebetsinitiativen, aber der Damm ist meines Erachtens nicht stark genug, dass er der Flut des Islam noch Einhalt gebieten könnte.
Der Islam als solches und das Erreichen der Moslems mit dem Evangelium im Konkreten wird in den meisten Gemeinden immer noch als ein Steckenpferd einiger Missionare und Islamspezialisten betrachtet und nicht als eine Anforderung an den Leib Christi
in der Schweiz. Der Islam ist eine geistliche Kampfansage an den Leib Christi; aber mir scheint, dass im Grossen und Ganzen die christliche Gemeinde den Fehdehandschuh noch gar nicht aufgenommen hat. Vielerorts ist die Hilflosigkeit im Umgang mit dem Islam und den Moslems gross. Zudem fehlt oft auch die Einsicht in die Notwendigkeit, aktiv zu werden, weil man das Ausmass und die Gefahr noch nicht wahrnimmt. Wenn die Gemeinde Christi dem Islam nichts entgegen hält – und damit meine ich vor allem im Gebet und der konkreten Evangelisation –, wird nichts mehr den Islam in Europa aufhalten können.
Verlust der Werte
Der Philosoph Robert Spaemann hat die europäische Wertegemeinschaft, zu der meines Erachtens von der Geisteshaltung her auch die Schweiz gehört, so gekennzeichnet: „Absolute Wahrheiten, unbedingte Einsichten gelten in unserer Zivilisation als intolerant und als Gefährdung unserer Werteordnung ... Tatsächlich ist der Wert ‚Skeptizismus’ das eigentliche Eurozentrische ... Das Europa der Zukunft sollte eine rechtliche Gemeinschaft sein, die kleinere Gemeinschaften und deren eigenen Werte schützt und akzeptiert, aber davon Abstand nimmt, selbst eine Wertegemeinschaft zu sein“ (Transit Europäische Revue, Nr. 21, 2000). Mir scheint, Spaemann hat die Geisteshaltung Europas und der Schweiz treffend charakterisiert. Die Substanz dieser Geisteshaltung ist Relativismus, Pluralismus und – durch das Ausmass an Ausrichtungsmöglichkeiten – auch Verwirrung und Entscheidungsunfähigkeit. Es ist wie ein Haus, dessen Mauern aus unzähligen Fenstern besteht, die alle offen stehen.
Das Konzept des Islam
Eine solche Geisteshaltung wird der Strategie des Islam nicht gerecht. Das Konzept des Islam ist einfach und klar: Es gibt das „Haus des Islam“, die Gebiete, wo der Islam prägt und herrscht, und das „Haus des Krieges“, die Gebiete, in denen der Islam noch nicht herrscht und die mit den verschiedensten Mitteln erobert und der Herrschaft des Islam unterworfen werden müssen. Die Mittel des Kampfes, mit denen der Islam Land einnimmt, sind sowohl im Koran wie in den religiös verbindlichen islamischen Überlieferungen klar definiert. Auch wenn viele so genannt moderate und liberale Moslems, die im Westen leben (und mit Bravour sich dessen aufklärerischen und humanistischen Sprachgebrauch angeeignet haben), dem Islam ein friedfertiges, tolerantes und versöhnliches Gesicht zu geben versuchen (und in den allermeisten Fällen gelingt ihnen das auch!), ändert das nichts am wirklichen Wesen des Islam.
Was das Wesen des Islam wirklich ist, kann man am besten an dem lernen, beurteilen und beobachten, was dort sichtbar wird, wo der Islam herrscht, in Ländern wie Saudi-Arabien, Iran, Pakistan, Sudan, um nur einige zu nennen. Wie steht es da mit den allgemeinen Menschenrechten, mit Toleranz im Umgang mit anderen Religionen, im Umgang mit Frauen, mit Fremden, mit nicht-moslemischen Gastarbeitern?
Wenn man wagt, wirklich hinzuschauen, ohne Angst, als islamophobisch zu gelten, wenn man die Realitäten des Islam – die Diskriminierung, Verachtung, ja oft Verfolgung und Ausrottung alles Nicht-Islamischen – , die einem in diesen Ländern entgegenkommen, nicht einfach als Auswüchse des Extremismus relativiert (und damit den offiziellen Islam entlastet und entschuldigt), wird man erahnen, wie der Islam auch in Europa und der Schweiz mit zunehmender Macht und Möglichkeit sein wahres Gesicht zeigen wird, sobald er sich ungehindert entfalten kann.
Wer ist es, der in Europa und der Schweiz der Entfaltung des Islam wirklich etwas entgegenzusetzen hat, um ihn aufzuhalten? Eine Geisteshaltung, deren Substanz Relativismus, Pluralismus und Beliebigkeit von Wahrheit und Werten ist, hat keine Widerstandskraft. Wer würde schon für beliebige relative Wahrheiten und Werte sein Leben geben? Aus seinem schwach fundierten Glauben gäbe der Europäer oder der Schweizer sein Leben nicht hin. Hat man früher sein Leben aus Vaterlandsliebe hingegeben, ist solch ein Gedanke heute verpönt, ja sogar peinlich. Was haben denn die Schweizer und Europäer, für das sie ihr Leben geben würden? Und ich meine nicht nur die, die Gott nicht kennen! Leider sind oft auch Menschen, die Gott kennen, so sehr in Wohlstand und Bequemlichkeit gefangen und auf die Aufrechterhaltung und Absicherung des Hier und Jetzt ausgerichtet, dass sie nichts oder wenig haben, für das sie sterben würden. Wenn das Leben hier und jetzt alles ist, was man hat, will man es nicht verlieren. Aus Angst zu verlieren, was man hat, wird man bei steigendem Druck, Bedrohung und Gewalt immer kompromissbereiter, manipulier- und korrumpierbarer. Am Ende wird man sich, um am Leben zu bleiben, in allen Bereichen prostituieren müssen.
Ein Moslem sagte mir einmal: „Wir fürchten euch Christen nicht; denn im Gegensatz zu uns Moslems würden die wenigsten von euch ihr Leben für ihren Glauben lassen.“ Nun, offensichtlich kannte er die Kirchengeschichte nicht, denn neben allem Schrecklichen der Geschichte der Christenheit gab es auch immer wieder Tausende, die um Jesu und des Reiches Gottes willen ihr Leben hingegeben haben, und zwar freiwillig. Auch heute geschieht das an den verschiedensten Orten in der Welt.
Doch diese Haltung, diese Leidenschaft für das Reich Gottes, die bis in den Tod geht, scheint dem Westen im Allgemeinen und Europa und der Schweiz im Speziellen abhanden gekommen zu sein. Wenn die Schweizer nicht wieder bereit werden, für das Reich Gottes und die Errettung sowohl des Schweizervolkes wie der Moslems ihr Leben zu geben – und zwar in allen Lebensbereichen bis hin zum Tod – wird die Flut des Islam und der Gottlosigkeit nicht aufgehalten werden können. Steht doch in Offenbarung 12,11 geschrieben: „Und sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses und haben ihr Leben nicht lieb gehabt bis in den Tod.“
Es gibt keine wirksame andere Strategie, die uns das Wort Gottes für die Überwindung des Feindes des Reiches Gottes gibt, als was in diesem Vers zusammengefasst ist. Bekenntnis des Kreuzes, Verkündigung Jesu ohne Angst vor dem Tod: Billiger werden wir es nicht haben können.
Konsequente Nachfolge Jesu
Wenn wir wesentlich sein wollen, geht es nicht mehr darum, den Bau von Minaretten und Moscheen zu stoppen – so tragisch deren Verbreitung in der Schweiz sein würde, denn sie sind Symbole geistlicher Machtübernahme –, sondern wir müssen zum Kampf antreten, der nicht gegen Fleisch und Blut ist. Dieser Kampf fängt zuallererst bei uns persönlich an und dann in unseren Gemeinden und Gemeinschaften, Werken und dem ganzen Leib Christi. Wir müssen uns durch das Wort Gottes die Frage und Infragestellung gefallen lassen: Entspricht unsere Lebensrealität jener radikalen Nachfolge Christi auf dem schmalen und steilen Weg, auf dem man gegen den Todesstrom der Welt schwimmt und damit aus dem Rahmen fällt? Leben wir in der Nachfolge, von der Jesus sagt (frei übersetzt): „Wer seine Familie, seine Verwandten und Freunde, seine Karriere, seinen Besitz, seine Hobbys, seinen Ruf und seine Anerkennung bei den Menschen mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert.“?
Sind wir als einzelne Jünger und Jüngerinnen Jesu und als Leib Christi in der Schweiz – jenseits von allgemeinen Normen und gesundem Menschenverstand – so leidenschaftlich von Jesus und seinem Reich ergriffen, dass wir darüber einfach nicht mehr schweigen können und uns auch von niemandem zum Schweigen bringen lassen? Ist das Prägende und Bestimmende in unserem Alltag, in unserem Umgang mit Menschen, mit Hab und Gut, mit Geld und Macht ein Ausdruck von Integrität? Prägt Reinheit unsere Ehen und Beziehungen, stehen wir mit Verantwortungsbewusstsein in unseren Familien und Aufgaben, leben wir mit täglicher Vergebungsbereitschaft gegenüber denen, die an uns schuldig werden, sind Barmherzigkeit und Güte, Vorurteilslosigkeit und Geradheit, Grosszügigkeit und Freundlichkeit, Hoffnung und Freude Eigenschaften, die unseren Alltag bestimmen, die unseren Umgang mit Menschen – egal welcher Prägung, Glaubensüberzeugung und Herkunft – durchdringen? Wird unser Lebensstil im Umgang mit Besitz, im Setzen von Lebenszielen und Prioritäten als eine echte Alternative zu dem erlebt, was die Welt lebt? Wie das zum Beispiel in der ersten Gemeinde der Fall war?
Die Bedeutung der Einheit
Wenn das Evangelium in uns als Gliedern des Leibes Christi nicht Fleisch wird und wir unser Leben nicht völlig unter den Gehorsam des Wortes Gottes stellen, sondern unter unsere eigenen Vorstellungen, Interpretationen und Einschätzungen, haben wir den Moslems und auch den Schweizern weder etwas zu bringen noch dem Islam etwas entgegenzuhalten. Ungehorsam dem Wort Gottes gegenüber ist eine geistliche Hauptkrankheit, die unsere Kampfkraft unbedeutend macht und unsere geistliche Abwehr zum Erliegen bringt. Das Gebot Jesu, das zu allererst unseren Gehorsam fordert, lautet so: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt“ (Joh. 13,34-35). „Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe“ (Joh. 15,12). Und noch einmal unterstreicht Jesus dieses Gebot: „Das gebiete ich euch, dass ihr einander liebt“ (Joh. 15,17).
Das Ausmass an Zerstrittenheit und Abgrenzung, das Potential an Misstrauen, Verdächtigungen, Neid und negativem Reden und Denken, das zwischen uns als christlichen Denominationen, Gemeinden, Werken und einzelnen Gläubigen besteht, lässt erahnen, wie schwach unser Gehorsam gegenüber dem Gebot Jesu sein muss. Wir vergeuden oft unsere Kräfte an Nebenschauplätzen, wo es um Frömmigkeitsstile und Spitzfindigkeiten in Theologie und Dogmatik geht, anstatt dass wir alle unsere Kräfte am Hauptkampfplatz sammeln und vereinen, wo es um die Verkündigung des Kreuzes, um Umkehr und Vergebung, um Auferstehung und neues Leben unter der befreienden Herrschaft Jesu geht, damit Menschen gerettet werden!
Die gottlos gewordene Schweiz (von der es heisst, dass sie höchstens 4-5% bekennende Christen hat) und die Moslems in der Schweiz und in Europa können mit dem Evangelium erreicht werden! Die Kraft, die Herzen verändert, wird aus unserer Einheit und gemeinsamen Leidenschaft für Jesus kommen – einer gemeinsamen Leidenschaft, die es sich zur obersten Priorität setzt, dass Jesus der Welt offenbart wird und zur Herrschaft gelangt.
Diese Einheit wird geschehen, wenn wir als vielfältiger Leib Christi von der gleichen Leidenschaft erfüllt werden wie Paulus, der von sich sagt: „Ich habe mir vorgenommen, unter euch nichts anderes zu wissen als Christus, und zwar den Gekreuzigten. Wir predigen den gekreuzigten Christus, den Juden (und den Moslems) ein Ärgernis, den Nichtjuden eine Dummheit (eine Spinnerei), aber denen, die gerettet werden, eine Kraft Gottes“ (1.Kor. 2,2; 1.Kor. 1,23-24). Wenn uns diese Leidenschaft treibt, können wir alle kulturellen, ethnischen und geistlichen Prägungen hinter uns lassen. Nichts mehr wird uns hindern, unsere Kräfte mit all den Christen zu vereinen, die zwar einen anderen Stallgeruch haben, weil sie evangelikal, charismatisch, pfingstlich, reformiert, lutherisch, landeskirchlich, katholisch oder orthodox sind, die aber von der gleichen Leidenschaft für Jesus als dem Gekreuzigten und Auferstandenen und dem einzigen Weg zum Vater getrieben sind und ihn lieben. Alles andere müssen wir hinter uns lassen und „ein Herz und eine Seele“ werden (Apg. 4,32), weil Jesus unsere gemeinsame Leidenschaft ist.
Autorität und Kraft
Welche unglaubliche Autorität und Kraft würde da frei gesetzt werden! Eine Autorität und Kraft, die die Pforten der Hölle erschüttern würde! Träumerei? Schwärmerei? Ich glaube kaum. Erstens ist es sowohl das Gebot wie auch das Vermächtnis Jesu. Zweitens kann der Islam nicht mit weniger aufgehalten werden. In der Leidenschaft zu Jesus, in der Liebe zueinander, im Vereinen unserer Kräfte, im Entwickeln einer gemeinsamen Strategie, das Reich Gottes neu auszubreiten und unsere Leben dafür zu geben, in der Liebe zum Schweizervolk und zu den Moslems, in der Hingabe ans Gebet können wir jede Strategie des Feindes zunichte machen und Menschen den Weg zum Leben und ins Vaterhaus weisen.
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